Rezension | Haus der Geister - John Boyne

Originaltitel: This House Is Haunted | Reihe: - | Übersetzung: Sonja Finck
Verlag: Piper, März 2016 | Ausgabe: Taschenbuch | Seiten: 336 | Preis: 9,99€
England 1867. Die junge Eliza Caine reist in die Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace begrüßt. Überrascht stellt Eliza fest, dass die beiden offenbar allein in dem viktorianischen Anwesen leben. Von den Eltern und anderen Angestellten fehlt jede Spur. Da sie die Kinder unmöglich ihrem Schicksal überlassen kann, bleibt sie – und stellt schon bald fest, dass sie doch nicht allein sind … (Quelle: Piper Verlag)

MEINUNG

Es fing gut an. Gleich der erste Satz ließ mich schmunzeln und die ersten Kapitel klangen wirklich vielversprechend. Aber nach und nach flaute meine Begeisterung ab und ich fing an, mich ein wenig zu langweilen. Eliza ist keine spannende Protagonistin, sie bleibt sehr eindimensional, wirkte auf mich unsympathisch. Ihr ständiges Gejammer ging mir auf die Nerven und ihre Art, alles überspitzt darzustellen, hat mich nur mit dem Kopf schütteln lassen. 21 Jahre alt soll sie sein, mir kam sie meistens um einige Jahrzehnte älter vor, dann wieder zehn Jahre jünger.
 
Über die Protagonistin kann man noch hinwegschauen, wenn die Geschichte gut ist. Wenn man so in den Bann der Geschichte gezogen wird, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Aber das war bei mir leider nicht der Fall. Immer wieder musste ich das Buch kurz zur Seite legen, tief durchatmen, die Augen verdrehen und mich zum Weiterlesen animieren. Die letzten 80 Seiten waren die Schlimmsten. Betitelt wird das Buch als "richtig gute Geistergeschichte". Vielleicht habe ich falsche Erwartungen an das Buch gehabt. Ich habe mit mysteriösen Geschehnissen und Spannung gerechnet - aber da war nichts. Kaltes Wasser, das plötzlich heiß ist? Nicht so mysteriös. Geisterhafte Erscheinungen ließen sich an einer Hand abzählen, die Beschreibung, wie sie die Hände einer Erscheinung spürte kam dabei fast jedes Mal. Dabei war Potenzial in der Geschichte. Dorfbewohner, die sich merkwürdig verhalten, sobald die Sprache auf das Anwesen fällt, plötzliche Todesfälle von Elizas Vorgängerinnen. Und wo sind die Eltern der Kinder? Man hätte so viel daraus machen können. Stattdessen wurde alles in ein paar Unterhaltungen erklärt und die Sache war erledigt. Keine Spannung, keine Höhepunkte. Gelegentlich führt Eliza Unterhaltungen mit Dorfbewohnern, die nach dem gleichen Muster ablaufen, teilweise die Geschichte nur strecken, aber nicht voranbringen. Wendungen tauchen auf, die nicht in die Geschichte passen. Eliza beklagt und beklagt sich, wie furchtbar es ihr auf dem Anwesen geht, was für schreckliche Dinge ihr widerfahren sind (heißes Wasser im Waschbecken!) und plötzlich stellt sie sich vor, den Anwalt der Familie zu heiraten.
 
Für mich hat hier hinten und vorne nichts gestimmt. Weder Protagonistin, noch der Verlauf der Geschichte. Wer Spannung erwartet, wird hier wohl eher enttäuscht werden. Auch eine Geistergeschichte war es in meinen Augen nicht. Ein paar merkwürdige Vorkommnisse gab es, ansonsten war es eine Familiengeschichte ohne weitere Höhepunkte.
 
DER AUTOR

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde. (Quelle: Piper Verlag)

WEITERE BÜCHER DES AUTORS

Einzelromane:
Die Geschichte der Einsamkeit  | Der freundliche Mr Crippen | Das späte Geständnis des Tristan Sadler  | Das Vermächtnis der Montignacs | Das Haus zur besonderen Verwendung

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