Rezension | Die dunklen Mauern von Willard State - Ellen Marie Wiseman

Originaltitel: What She Left Behind | Reihe: - | Übersetzung: Sina Hoffmann
Verlag: Piper, November 2015 | Ausgabe: Taschenbuch | Seiten: 464 | Preis: 9,99€

Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte: Ihre Mutter erschoss ihren Vater während er schlief. Seitdem lebt die nun 17-Jährige bei Pflegefamilien. Als sie für ein Museum Gegenstände ehemaliger Insassen der alten und berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum katalogisiert, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright. Je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens …(Quelle: Piper Verlag)


MEINUNG

Ellen Marie Wisemans Roman ist nicht einfach ein Einfall über Nacht gewesen. Es basiert auf einer Einrichtung, die tatsächlich existierte bzw. seit 1995 geschlossen ist und nun langsam, aber sicher verrottet. Es gibt eine Ausstellung, in der Koffer und deren Inhalte ehemaliger Insassen des Willard State Asylums gezeigt wurden. Dadurch kam die Autorin auf die Idee, die Geschichte einer fiktiven Insassin zu erzählen: Clara, die im Jahr 1929 mit 18 Jahren nach Willard kam. 

Ergänzt wird die Geschichte durch die 17 jährige Izzy, die 1995 mit ihrer Pflegemutter die Koffer ehemaliger Insassen für ein Museum inspiziert. Dabei stößt sie auf Claras Tagebuch und ist wie magisch angezogen von ihrer Geschichte. Denn Izzys Mutter war ebenfalls in einer Psychiatrie, bevor sie wegen des Mords an Izzys Vater ins Gefängnis musste. Die Kapitel wechseln sich zwischen den beiden ab und bringen dadurch Abwechslung in die Geschichte. Oder auch Ablenkung, denn Claras Geschichte ist teilweise ziemlich bedrückend. Ziemlich schnell wird klar, dass Clara nicht in Willard sein sollte - sie ist geistig gesund und wurde bloß von ihrem Vater dort eingewiesen, weil sie einen anderen Mann liebt, als für sie vorgesehen ist. Somit begleitet man Clara über Jahre hinweg dabei, wie sie alles versucht, um aus Willard wegzukommen. Was kein Wunder ist, da die damaligen Behandlungsmethoden schon fast mit Folter verglichen werden können. Die Autorin schreckt auch nicht davor zurück, diese Methoden genau zu beschreiben und schafft es, beim Lesen das Gefühl zu vermitteln, das Clara wohl in diesen Momenten spüren muss. 

Izzys Geschichte ähnelt zeitweise eher einem Jugendbuch, da es sehr viel darum geht, wie sie an ihrer neuen Schule nicht so richtig Anschluss findet und sich dann auch noch verliebt. Allerdings versucht sie auch mehr über Clara herauszufinden und gerät dabei sogar in Gefahr - an dieser Stelle hat die Autorin auch wieder so viele Emotionen hervorgeholt, dass man nur mit klopfendem Herzen dasitzen kann und mitfiebert. Nicht selten saß ich nach einem Kapitel da und musste erst einmal verarbeiten, was ich da eben noch gelesen hatte.

Es ist leicht zu lesen und trotzdem hat die Geschichte eine Sogwirkung. Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht und wie es wohl zuende geht - was letztendlich mit Clara passiert ist. Und ich finde es toll gelöst und habe am Ende wirklich geweint - und das passiert mir beim Lesen gar nicht so häufig. Ich habe einerseits geweint, weil es traurige Momente im Buch gab, aber gerade gegen Ende kamen noch Dinge ans Tageslicht, mit denen man gar nicht mehr gerechnet hätte. Was auch daran liegt, dass grade Claras Kapitel mit einem fiesem Cliffhanger enden und das nächste Kapitel dann von Izzy handelt.

Ich glaube, ich habe mein Jahreshighlight schon im Januar gelesen. Es gehört definitiv in meine Hall of Fame der besten Bücher. So viele Emotionen mit doch sehr einfacher wortwahl und eine packende und mitreißende Geschichte haben mich überzeugt. Dazu kommen noch glaubhafte Charaktere und eine großartige Geschichte ist geschaffen. Danke, Ellen Marie Wiseman!

Übrigens: Da es die Psychiatrie tatsächlich gab, habe ich mich mal ein wenig im Internet schlau gemacht. Über diesen Link zu travelbook kommt ihr zu einem Artikel über das echte Willard mit Fotos und Videos!


DIE AUTORIN

Ellen Marie Wiseman wurde in Three Mile Bay, einer kleinen Ortschaft im Bundesstaat New York, geboren. Sie besucht häufig ihre Verwandten in Deutschland und interessiert sich sehr für deutsche Geschichte und Kultur. »Die schwarzen Hügel von Coal River« ist der zweite Roman der Autorin. Wiseman lebt zusammen mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und drei Hunden am Ufer des Lake Ontario. (Quelle: Piper Verlag)
 

Kommentare:

  1. Das Buch wndert nun immer weiter nach oben auf meiner Wunschliste!! Deine begeisterte Rezension hat es nun noch weiter nach oben gepusht ;)
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Ja, lies es unbedingt! :D

      Liebe Grüße!

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  2. Hey Mimi :)

    ich habe dein Bild zum Buch / zur Rezension vorhin auf Instagram gesehen und war sofort magisch vom Cover angezogen. Das Buch klingt ja sooooo gut und dann bist du auch noch so begeistert! Das kommt auf jeden Fall auf meine Wunschliste :)

    Liebe Grüße,
    Tati

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    1. Da muss es auch hin!
      Ich glaube, ich habe selten so von einem Buch geschwärmt :D

      Liebe Grüße!

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  3. Hallo Mimi,

    du bist schon die zweite Leserin, die im Zusammenhang mit dem Buch von einem Jahreshighlight spricht. Ich bin richtig froh, dass es schon bei mir eingezogen ist. Hoffentlich komme ich bald dazu!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Das Buch braucht unbedingt mehr Aufmerksamkeit, also lies es am besten ganz bald! :D

      Liebe Grüße

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  4. Hallo Mimi,

    ich hatte das Bild von dir schon auf Twitter gesehen und mir das Buch gleich mal abgespeichert. Jetzt nach der Rezension ist es erst recht auf der Wunschliste gelandet! Klingt ja wahnsinnig vielversprechend :)

    Liebe Grüße,
    Franziska

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