Rezension | Im Spiegel ferner Tage - Kate Riordan


Originaltitel: The Girl in the Photograph | Reihe: - | Übersetzung: Heike Holtsch
Verlag: Heyne, Dezember 2015 | Ausgabe: Taschenbuch | Seiten: 544 | Preis: 9,99€
London, 1932. Als die 21-jährige Alice ungewollt schwanger wird, schickt ihre Mutter sie auf ein Gut im malerischen Gloucestershire, um den Namen der Familie zu schützen. Fasziniert von dem verwunschenen Anwesen erwacht Alices Neugierde, und sie erfährt von dem tragischen Los der einstigen Gutsherrin Elizabeth. Das Geheimnis um die schöne Frau berührt sie auf eigentümliche Weise, und Alice begibt sich auf Spurensuche. Sie entdeckt eine große Liebesgeschichte - und einen schlimmen Verrat … (Quelle: Heyne Verlag)
 

Meinung

 
Bücher, die in England spielen sind bei mir sowieso immer gern gesehen. Auf Bücher, in denen es um alte Herrenhäuser und mysteriöse Geschichten aus der Vergangenheit geht, werde ich immer neugieriger. „Im Spiegel ferner Tage“ hat mich dementsprechend angesprochen, weil es beides verbindet.
 
Zuerst musste ich mich jedoch ein wenig in die Erzählweise reinlesen. Erzählt wird die Hauptgeschichte aus Alices Sicht, die gerne mal den Leser persönlich anspricht. Abwechselnd zu Alices Kapiteln werden Kapitel über Elizabeth, um die sich das Geheimnis dreht, auktorial erzählt. Alice befindet sich im Jahr 1932, erzählt aber aus dem Jahr 1936, sodass immer wieder kurze Sätze wie „damals wusste ich noch nicht, dass xy passiert“ oder „hätte ich xy vorher gewusst…“ eingeschoben werden, die die Spannung hochhalten sollen. Elizabeths Geschichte spielt sich Ende des 19. Jahrhunderts ab und hat zu diesem Zeitpunkt dort gelebt, wo Alice Jahrzehnte später den Sommer verbringt.
 
Alice ist neugierig genug, um den Leser mitnehmen zu können in ihrem Vorhaben, mehr über Elizabeth und ihr Schicksal herauszufinden. Trotzdem waren für mich die Kapitel über Elizabeth spannender, was nicht zuletzt an den Cliffhangern am Ende von fast jedem Kapitel lag. Besonders auffällig sind die Ähnlichkeiten zwischen Alice und Elizabeth, die auch Alice und den Personen um sie herum auffallen. Der Buchtitel passt daher sehr gut zum Inhalt. Im Gegensatz zur Inhaltsbeschreibung, die, wie ich finde, etwas anderes verspricht, als tatsächlich passiert. In meinen Augen geht es in der Geschichte nicht um eine große Liebesgeschichte – es geht viel mehr um die Psyche und psychische Krankheiten und ihre Auswirkungen auf die Familie. Das war teilweise schon ziemlich bedrückend geschildert und als Leser fragt man sich selbst, ob es Alice so wie Elizabeth ergehen wird und dann steht noch die Frage im Raum, was genau Elizabeth zugestoßen ist und warum. Mit einer großen Liebesgeschichte hatte das für mich also rein gar nichts zu tun und Liebe kam nur am Rande vor. Einen großen Verrat sehe ich auch nicht, aber sowas im Klappentext macht natürlich neugierig. Trotzdem hatte die Geschichte einen richtigen Sog, ich musste weiterlesen, wollte wissen was denn nun damals mit Elizabeth passierte.

Die ersten 100 Seiten waren noch etwas nichtssagend, Alice beschreibt sehr ausführlich, wie es zu allem gekommen ist und manches wirkt noch recht holprig. Zum Ende hin wird das Buch ein wahrer Pageturner. Es ist bedrückend geschildert, was damals passierte, auch, wenn die Autorin ein kleines Happy End bereithält.

Man sollte sich also nicht zu sehr auf den Klappentext verlassen, da er Dinge verspricht, die so gar nicht passieren oder wichtig für die Geschichte sind. Wer sich aber von Geschichten nicht abhalten lässt, in denen es um die Psyche geht und es stellenweise bedrückend sein kann, könnte mit diesem Buch das richtige gefunden haben.


Über die Autorin


Kate Riordan lebt in Cheltenham. Sie ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für den Guardian und Time Out. (Quelle: Heyne Verlag)

Kommentare:

  1. Huhu

    das Buch hört sich interessant an. Meine Oma liebt solche Bücher total und legt mir immer nahe es auch einmal mit dem Genre zu versuchen. Vielleicht sollte ich doch mal auf sie hören und es mit diesem hier versuchen? ;)

    Liebste Grüße
    Sonja

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  2. Hallo!
    Ich habe das Buch zwar noch nicht ganz beendet, kann dir aber trotzdem in einigen Punkten schon zustimmen. Ich finde auch, dass der Klappentext etwas anderes verspricht bzw. erhoffen lässt. Mir gefällt die Geschichte bisher aber trotzdem richtig gut und bin gespannt, wie es enden wird. :-)

    Alles Liebe,
    Lisa von hashtagbeyourself.blogspot.ch

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  3. Hallo Miriam,

    ich kann Dir wirklich nur zustimmen. Der Klappentext ist wirklich eher irreführend. Du hast ja meine Rezension schon gelesen und ich muss auch sagen, dass ich mir einfach was anderes erwartet habe und deswegen teilweise etwas enttäuscht war ... leider, das Buch hatte nämlich wirklich Potenzial.

    Liebe Grüße,
    Moni

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