Rezension | Black Blade. Das eisige Feuer der Magie | Jennifer Estep

Originaltitel:  | Reihe: Black Blade | Übersetzung: Vanessa Lamatsch | Verlag: ivi, Oktober 2015
Ausgabe: Paperback | Seiten: 368 | Preis: 14,99€ | Hier kaufen.


Die 17-jährige Lila Merriweather verfügt über außergewöhnliche Talente. Sobald sie einem Menschen in die Augen blickt, kann sie in dessen Seele lesen. Zudem beherrscht die Waise sogenannte Übertragungsmagie - jede auf sie gerichtete Magie macht sie stärker. Doch Lila hält ihre magischen Fähigkeiten geheim, denn sie hat einen nicht ganz ungefährlichen Nebenjob: Sie ist eine begnadete Auftragsdiebin. Das Leben der freiheitsliebenden jungen Frau gerät allerdings aus den Fugen, als sie eines Tages den Sohn eines mächtigen magischen Familienclans vor einem Anschlag rettet und prompt als dessen neue Leibwächterin engagiert wird. Plötzlich muss sich Lila in der magischen Schickeria der Stadt zurechtfinden, wo Geheimnisse und Gefahren an jeder Ecke auf sie warten – ebenso wie ihre große Liebe. (Quelle: ivi Verlag)




MEINUNG

Magie, Intrigen, Liebe... beste Voraussetzungen für tolle Urban Fantasy sollte man meinen. Für mich war es leider eine Zerreißprobe meiner Nerven, weshalb ich nach 160 Seiten vor der Wahl "querlesen oder abbrechen" stand. Ich habe mich dann fürs Querlesen entschieden, ich wollte doch wenigstens wissen, ob ich richtig mit meiner Vermutung lag, wer hinter den Mordanschlägen steckte (und ich hatte Recht). 

Der Einstieg gefiel mir noch wirklich gut, da er relativ rasant war. Danach flaute meine Begeisterung dann aber auch schon ab, denn mir war das zu viel Erklärung und zu wenig Handlung. Die war einfach nicht da. Nur Unterhaltungen und Erklärungen, warum wer was gesagt hat, geben mir nicht das Gefühl in der Geschichte zu sein. Außerdem wiederholt die Autorin ständig Sätze, als würde sie ihren Lesern nicht zutrauen, es schon beim ersten Mal zu verstehen. Und das kommt nicht selten vor, sondern auch gut und gerne öfter auf einer Seite. Die Welt, in der die Geschichte spielte, kam auch nicht bei mir an. Alles wird wie ein großer Zirkus beschrieben, die Menschen sind "Tölpel" (wortlaut von Protagonistin Lila) und anscheinend gibt es das nur dort in dieser Stadt. Ich fand es einfach unglaubwürdig. Und Fantasy kann ja durchaus glaubwürdig sein, wenn es gut geschrieben, erklärt und ausgearbeitet ist. Aber hier fehlte einfach Hand und Fuß. So oft wird betont, wie magisch und gefährlich alles ist, dass es Monster gibt und Magier und dann kommt nichts davon. Als Leser möchte ich dann schon gerne etwas mehr erfahren als nur die Tatsache, dass es so etwas gibt.

"Sie waren nicht die Ersten, die ich umgebracht habe, und ich bezweifle, dass sie die Letzten sein werden. Cloudburst Falls mag ja der magischste Ort Amerikas sein, aber er ist auch einer der gefährlichsten."

Mein größtes Problem war allerdings die Protagonistin selbst: Lila. Arrogant, eingebildet und verzogen. Mit ihren Sprüchen soll die 17-jährige tough und cool wirken. Für mich steckte sie noch mitten in der Pubertät und war weit entfernt von einer 17-jährigen, die sich seit vier Jahren allein herumschlagen muss. Anderen gegenüber verhält sie sich extrem unhöflich - und beschwert sich dann im Gegenzug, wenn jemand etwas Unfreundliches zu ihr sagt. An sich bleiben die anderen Personen in der Geschichte farblos, allen voran Devon, dessen Leibwächterin sie sein soll. Aber auch die Versuche, etwas zwischen den beiden entstehen zu lassen, sind der Autorin nicht geglückt. Gespräche sind Mangelware, Lila zickt den armen Kerl höchstens an. Der einzig interessante Charakter war Felix, da sich dort eine Geschichte entwickeln könnte. Allerdings ist er bloß nebencharakter und kommt deshalb nicht oft zu Wort. Wäre seine Geschichte ein Buch, wäre sie womöglich auch spannend.

Ein Spannungsbogen wird vergeblich gesucht. Den Großteil der Geschicht isst Lila. Ansonsten prahlt sie mit ihren magischen Fähigkeiten, zwei oder drei kleine Kämpfe kommen vor und dann ist das Buch auch schon zuende. Wie oben geschrieben, habe ich bis Seite 160 gelesen und danach nur noch quer. Denn ab dem Zeitpunkt war einfach offensichtlich, wer hinter den Anschlägen steckt. Im Internet gibt es eine Altersempfehlung von 14 bis 17 Jahren und ja, ich hatte das Gefühl, mit meinen 22 tatsächlich zu alt für dieses Buch zu sein. Das Verhalten der Personen war, so leid es mir tut, lachhaft. Ein paar Beispiele: Die 17-jährige, von sich überzeugte Lila findet Jungs eigentlich ziemlich doof und eklig, hat aber im selben Moment keine Probleme damit, einen doppelt so großen Mann umzubringen. Hat sie schließlich mit 12 Jahren gelernt. Der Sohn der verfeindeten Familie wird als groß, stark und gefährlich beschrieben. Und was ist seine Drohung? Er will den Mädchen ihre Kleidchen ausziehen, wenn sie ihn weiter provozieren. Ehrlich: bitte was? Ich habe mich so geschämt, als ich dieses Buch gelesen habe... 

Ihr merkt, das war nicht mein Buch. Ich kann mir vorstellen, dass eine jüngere Zielgruppe vielleicht mehr Spaß mit diesem Buch hat. Es gibt ja hauptsächlich positives Feedback für dieses Buch, aber da mir Spannung gefehlt hat, die Charaktere oberflächlich und farblos blieben und die Geschichte mehr als vorhersehbar war, kann ich nicht mehr als 2 schon sehr nett gemeinte Sterne geben. 

DIE AUTORIN

Jennifer Estep ist Journalistin und New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie schloss ihr Studium mit einem Bachelor in Englischer Literatur und Journalismus und einem Master in Professional Communications ab und lebt heute in Tennessee. Bei Piper erschien bisher ihre All-Age-Serie um die »Mythos Academy« sowie die Urban-Fantasy-Reihe »Elemental Assassin«. (Quelle: ivi Verlag)

WEITERE BÜCHER DER AUTORIN


Mythos Academy: 1. Frostkuss | 2. Frostfluch | 3. Frostherz | 4. Frostglut | 5. Frostnacht | 6. Frostkiller

Elemental Assassin: 1. Spinnenkuss | 2. Spinnentanz | 3. Spinnenjagd | 4. Spinnenfieber | 5. Spinnenbeute

Black Blade: 1. Das eisige Feuer der Magie

Kommentare:

  1. Hallöchen,
    auf Twitter hab ich ja schon mitbekommen, dass du nicht wirklich von dem Buch begeistert bist, deshalb war ich sehr gespannt auf deine Rezension. Dass du den Attentäter schon von Anfang an entlarvt hast, wunder mich...ich hab ein bisschen länger gebraucht :O

    Bei den Wiederholungen muss ich dir zustimmen, die haben mich auch genervt. Besonders ist es mir bei Lilas Talent aufgefallen. In so gut wie jedem zweiten Satz kam vor, dass sie das und das wegen ihrem Sichttalent sehen kann. Das war wirklich extrem nervig!

    Bei der Protagonistin muss ich dir ebenfalls zustimmen. Mir kam sie auch übertrieben tough vor, sodass es einfach nicht mehr echt gewirkt hat. Das ist gerade bei einer Protagonistin sehr schade :( Aber dafür habe ich von Devon ein recht gutes Bild...aber Felix sticht ganz klar am meisten heraus, da hast du vollkommen Recht.

    Und auch bei den Sprüchen der Bösen muss ich dir zustimmen. Die fand ich nämlich auch ziemlich lächerlich und peinlich :D Ebenfalls wieder so übertrieben, dass es einfach nur noch hohl klang. Wie aus einem schlechten Film.

    Obwohl ich dir bei so vielen Dingen zustimmen kann, hat das Buch von mir noch eine recht gute Bewertung bekommen, weil mir die Grundidee einfach total gut gefällt und ich das Setting toll finde. Für dich war es nicht glaubwürdig, was ich bei deiner Begründung durchaus nachvollziehen kann, aber ich fand diese ungewöhnliche Idee toll. Was mich auch etwas gestört hat, ist, dass in dieser Stadt Magie und Monster scheinbar allgegenwärtig sind, aber es trotzdem so viele ahnungslose Bürger gibt. So kam es ab und zu zumindest rüber, aber ich finde das ganze trotzdem interessant und spannend.

    Ob das jetzt am Alter liegt, kann ich so nicht beurteilen. Ich bin 20, also nur zwei Jahre jünger als du, und auch wenn ich die Protagonistin und den Schreibstil unausgereift fand, habe ich mich nicht zu alt für das Buch gefühlt. Ich glaube, das ist auch wieder Ansichts- und Geschmackssache.
    Ich hab deine Rezension bei mir verlinkt, ich hoffe, das ist okay :)

    Liebste Grüße & mehr Erfolg bei der nächsten Lesewahl,
    Kate ♥

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  2. Hi Mimi,
    das Buch ist mir jetzt schon oft begegnet. Ich bin froh über deine Rezension.
    Was "Glaubwürdigkeit" und "Sinnigkeit" angeht bin ich sehr empfindlich.
    Da musste ich gleich an Die Königin der Schatten denken "Rezension"
    Denn mit dem Buch ging es mir ganz ähnlich.
    Danke für die ehrliche Rezension :D
    Liebe Grüße
    Nadine ♥

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  3. Hallo :) Ich hab grad zu deinem Blog gefunden und ein wenig gestöbert. Vielen Dank für die tollen Rezensionen. Werd jetzt öfters vorbei schaun :) und freu mich schon auf neue Einträge von dir.

    liebe sonntagsgrüße
    die Sandra

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