Rezension | Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg | Florian Herb

Der Tag, an dem Lotto-Klara in mein Taxi stieg

Originaltitel: -
Reihe: -
Autor: Florian Herb
Übersetzung: -
Verlag: Ullstein, Juli 2015
Ausgabe: Taschenbuch
Seiten: 256
Preis: 9,99€

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 Eigentlich sieht die ältere Dame ganz normal aus, die morgens in Alvaros Taxi steigt. Auch dass sie sich erst zum Hauptbahnhof und dann doch zum Flughafen fahren lässt, macht ihn nicht stutzig. Aber warum lässt sie ihren geblümten Rollkoffer nicht los? Bevor Alvaro sich versieht, ist er mit Klara Lüdtke und einer Million in bar auf dem Weg von Berlin nach Andalusien — verfolgt von Klaras Verwandtschaft und von Alvaros Chef, der sein Taxi zurück will ... (Quelle: Ullstein Verlag)


Normalerweise sind Unterhaltungsromane gar nicht so mein Genre. Ich sehe mir die Cover an und greife dann doch lieber zu "altbekannten" Genres oder Autoren. Bei manchen Büchern muss man erst meine Nase direkt aufs Buch drücken, damit ich es bemerke. So war es dann auch bei diesem Buch. Im Laden wäre ich wohl an dem Buch vorbeigelaufen, weil es eben sonst gar nicht in mein Leseverhalten passt. Als der Autor mich dann fragte, ob ich Lust hätte, es zu rezensieren habe ich mir den Inhalt mal genauer angesehen und siehe da – das klingt doch gar nicht mal so schlecht! Und wieso nicht mal ein bisschen über die sonstigen Lese-Grenzen hinaus lesen?

Im Buch trifft man auf die unterschiedlichsten Personen. Bloß keine Normalität an den Tag legen, hatte ich erst das Gefühl. Aber schnell musste ich alle Personen ins Herz schließen. Jeden mit seinen Macken und seiner skurrilen Art. Allen voran natürlich Alvaro. Alvaro ist ziemlich nachdenklich, gelegentlich philosophisch und spontaner, als er zu glauben scheint. Er tut alles, um Klara die Fahrt nach Paris zu ermöglichen und sucht noch ganz nebenbei sein eigenes Ich. Klara, ältere Dame und seit kurzem Millionärin würde wohl alles für das Wohl ihrer Familie tun. Allerdings muss sie sehr bald feststellen, dass Geld die Menschen verändert und so haut sie einfach ab – zusammen mit Alvaro, auch wenn er erst nichts davon weiß. Klara in ihrer ruhigen, aber bestimmten Art ist einfach drollig. Ich kann das gar nicht anders beschreiben. Selbst die kleinste Nebenperson hat hier ihre Charaktereigenschaften bekommen, sodass man ohne große Vorrede erkennen kann, wer da nun grade was sagt. Und das hat das "sich in die Geschichte fallen lassen" natürlich noch erleichtert. An einigen Stellen kamen mir die Dialoge allerdings ein wenig zu gestellt vor und dadurch nicht ganz glaubwürdig.

Die Geschichte ließ sich dann auch wirklich einfach so weglesen. Sie wechselt zwischen tiefgründig und unterhaltend, sehnsüchtig und komisch. Besonders der Aufenthalt der beiden in Paris hat mir gefallen. Ich mochte die Beschreibungen der Stadt und die Atmosphäre, die dabei rüberkam. Ich hatte nie das Bedürfnis nach Frankreich in den Urlaub zu fahren, aber Alvaro hat auch mich ein Stück mitgenommen, einmal quer durch das Land. Ein weiteres Highlight für mich war Klaras Familie und ihr Plan, Klara aufzuspüren und die Umsetzung davon. Am Ende hat mir irgendwas gefehlt. Ich kann es gar nicht so genau bennen, ohne zu spoilern. Einerseits war es vollkommen richtig so, andererseits hätte ich mir für einige Personen ein abgeschlosseneres Ende gewünscht. Allerdings bin ich auch kein großer Freund von offenen Enden (egal ob nur ein bisschen), das muss man dazu sagen.

Alles in allem ist das Buch ziemlich positiv stimmend. Es geht gar nicht "nur" darum, den Leser zu unterhalten, sondern auch, den Leser zum Nachdenken zu bewegen. Es geht um Träume, Verwirklichung und Glücklichsein. Und das schafft das Buch auch beim Lesen. Zwischen philosophisch anmutenden Gesprächen und unterhaltsamen Pläneschmieden taucht immer wieder etwas auf, dass einen zum Schmunzeln bringt.


Florian Herb, 1971 in Berlin geboren, lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen im Allgäu. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit begeistert er sich für Musik, Fotografie, Film, Theater, den VFB Stuttgart und die Tücken des menschlichen Zusammenlebens.
(Quelle: Ullstein Verlag)


Weitere Bücher des Autors:

Männerwirtschaft
Lieselotte, Fräulein Nowak und der Grieche
Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot (erscheint im Januar 2016)

 

Kommentare:

  1. Hey,
    ich finde für Unterhaltungsliteratur braucht es nicht nur die richtige Stimmung, sondern auch das passende Buch. Meist ist es so, dass einige die Bücher lesen, andere sie aber aufgrund der Handlung, des Schreibstils oder einfach "allem" einfach nur verfluchen. Ich lese um ehrlich zu sein, gerne querbeet. Wenn ich einen Thriller nach dem anderen lese, regt mich das Genre z.B. auf und ich brauche etwas anderes zur Abwechslung. Wenn ich aber nur Unterhaltungsromane lese, ärgere ich mich manchmal über die Oberflächlichkeit der Welt, wobei Unterhaltungsromane sehr wohl auch tiefgründig sein können und Handlungen meist auf eine Ebene übertragen, dass viele Menschen etwas damit anfangen können.

    Der Roman klingt wirklich sehr gut und ich werde ihn mir wahrscheinlich möglichst bald zulegen. (Meine Wunschliste wächst und wächst...).
    Vielen Dank für die Rezension!
    viele Grüße
    Emma

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    1. Huhu,

      das freut mich, dass dir meine Rezension gefällt!

      Ich stimme dir da voll zu, es kommt immer auf die richtige Stimmung an. Ich kann auch nicht immer so viele Bücher im gleichen Genre nacheinander lesen. Zwischendurch muss dann wieder etwas anderes sein.

      Liebe Grüße :)

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  2. Eine schöne Rezi! Auch ich habe insbesondere die Zeit in Paris sehr genossen.
    Für mich war die Lotto-Klara ein absolutes Lesehighlight, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe!
    Liebe Blubbergrüße
    Anka

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    1. Stimmt, ich habe auch nicht erwartet, dass das Buch so gut wird!
      Das hat die Geschichte wahrscheinlich noch besser gemacht.

      Liebe Grüße :)

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