Verlagsgeflüster | Vom Manuskript zum Buch #1 Lektorat

Hallo ihr lieben,

erst einmal möchte ich sagen, dass es mich riesig freut, dass meine bisherigen Beiträge so gut angekommen sind!

Deshalb gibt es heute ein etwas anderes Verlagsgeflüster. Es dreht es sich darum, wie aus einem Manuskript ein fertiges Buch wird.

Kleine Anmerkung vorweg: Ich habe meine Ausbildung in einem großen Buchverlag gemach und deshalb ist es in dieser Beschreibung der Vorgang, den ich von dort kenne. Das kann natürlich von Verlag zu Verlag anders sein. 

Also los!

Teil 1: Das Manuskript in Lektorat und Vertragsabteilung

Verlage bekommen ihre Manuskripte hauptsächlich durch sogenannte Literaturagenturen. An die wenden sich die Autoren, denn die Agenturen kennen sich in der Branche aus, kennen die Verlagsprogramme und wissen, wem sie was in welcher Form anbieten können. Nur ca. 2% aller einfach so eingesendeten Manuskripte werden tatsächlich veröffentlicht. Der Weg über Agenturen ist also vielleicht mühsamer, aber weitaus wirksamer.

Der Verlag gibt bestimmte Vorgaben vor, in welcher Form das Manuskript eingesendet werden soll. Meistens als digitales Dokument, da viele Lektoren auch unterwegs oder Zuhause lesen und da ist es auf E-Readern natürlich einfacher.

Aber wie entscheidet ein Verlag, welches Manuskript geeignet ist und welches nicht? Klar geht das auch nach Geschmack des Lektors. Aber da die Agenturen sich da auskennen, bekommt meist der richtige Lektor das richtige Manuskript angeboten. Dann wird noch geschaut, ob das Buch überhaupt ins Verlagsprogramm passt. Auch "Konkurrenzanalysen" spielen da eine Rolle. Es wird geprüft, wie sich Titel aus dem gleichen Genre und mit ähnlichen Themen verkauft haben. Denn so gut ein Manuskript sein mag - wenn es kaum eine Zielgruppe gibt, lohnt sich das Buch nicht.

Nun ist es nicht so, dass ein Lektor den ganzen Tag nur am Lesen ist. Zu so einem Buch gehört auch eine Menge rechnen und recherchieren. Hat sich ein Verlag dazu entschieden, ein Manuskript einzukaufen, hat der Verlag lediglich die Rechte daran eingekauft. Es wird vertraglich genau festgehalten, in welcher Form (HC, TB, PB, Hörbuch...) das Buch erscheinen darf, wie lange der Vertrag gilt, bis der Autor die Rechte zurückbekommt und natürlich wie viel der Autor für das Buch bekommt. 

Und all diese Kosten (dazu kommen natürlich auch noch viele andere Kosten, aber dazu später mehr) muss der Verkauf des Buchs decken, am besten natürlich noch ordentlich Gewinn raushauen. Für all das müssen Rechnungen aufgestellt werden. Dabei spielt auch die Auflagenhöhe eine Rolle. Denn umso mehr Bücher produziert werden, desto mehr Gewinn kann gemacht werden. Desto höher sind die Kosten allerdings auch am Anfang. Ein bisschen wie ein Teufelskreis quasi. Dabei darf der Lektor auch nicht aus den Augen verlieren, ob er ein Taschenbuch machen will, ein Hardcover, ein Paperback... ob es einen Schutzumschlag geben soll, ein Lesebändchen, irgendwas besonderes eben. Auch welches Papier und wie viele Seiten das Buch haben soll muss bedacht werden. Das alles geht ganz schön ins Geld, das glaubt man gar nicht.

Ist das Manuskript dann da, bearbeitet der Lektor es, macht Anmerkungen und schlägt Verbesserungen vor und schickt diese dann dem Autor - der Verlag macht nicht auf eigene Faust einfach Änderungen, denn der Urheber ist und bleibt der Autor. Der Verlag hat bloß das Nutzungsrecht. Korrekturlesen (Rechtschreibung, Grammatik...) gehört auch dazu, das wird aber meist an externe Mitarbeiter gegeben und der Lektor trägt am Schluss nur noch die Korrekturen zusammen.

Das Buch braucht ja auch noch einen Titel. Der Autor hat da leider nicht viel mitzureden, das letzte Wort hat da der Verlag. Oft gibt es ganze "Titelrunden", in denen alle Lektoren zusammen über Titel nachdenken. So ähnlich verhält es sich mit dem Cover. In "Coverrunden" werden verschiedene Cover vorgestellt, die meist an externe Grafiker in Auftrag gegeben werden. Dann wird besprochen, was gefällt, was nicht gefällt und was geändert werden soll.

Dann gibt es noch Schreibarbeit für den Lektor. Übersetzen tut der Lektor das Buch nicht selbst, aber Klappentexte und auch Verkaufsargumente sind natürlich wichtig, da sie den Leser ansprechen sollen.

Im nächsten Verlagsgeflüster dreht es sich dann um das Manuskript in der Herstellung.

Kommentare:

  1. Hallöchen!

    Das finde ich wirklich sehr, sehr interessant! Ich schreibe selbst sehr gerne und habe schon überlegt, ob ich mein Manuskript einsenden soll...aber ich trau mich nicht so richtig. Und bei gerade mal 2% die ausgewählt werden, ist die Chance ja auch ziemlich gering :( Aber ich werde mich mal über Agenturen informieren :) Danke für den sehr informativen Beitrag. Auf das Verlagsgeflüster über das Manuskript freue ich mich schon :)

    Liebe Grüße
    Kate

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    1. Hey!

      Ach, bloß nicht entmutigen lassen ;)

      Vielleicht hast du ja auch Glück und triffst auf genau die richtige Agentur oder den richtigen Verlag. Und wenn nicht, einfach weiterversuchen.

      Liebe Grüße!

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  2. Ein interessanter Beitrag, der mir den Beruf des Lektors näher gebracht hat. Ich selbst arbeite als Redakteurin, da gibt es ein paar Überschneidungen. Aber letztendlich weiß ich nun auch, dass die Arbeit des Lektors nicht ganz mein Ding wäre :-) Dennoch liebe ich solche Einblicke hinter die Kulissen.
    Viele Grüße
    Melissa

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    1. Hey :)

      Für mich wäre Lektor auch nicht der richtige Beruf. Ich lese dann lieber die "fertigen" Bücher, wenn die Arbeit getan ist ;) In der Ausbildung einige Zeit im Lektorat zu arbeiten war zwar spannend, aber andere Abteilungen im Verlag machen mir mehr Spaß.

      Liebe Grüße!

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  3. Hey,
    ich dachte bevor über Dinge wie Hardcover, Taschenbuch, Covergestaltung geredet werden, wird das Manuskript 2fertig korrigiert".
    Schwierig finde ich die Sache mit den Literaturagenturen. An sich ist es eine gute Idee, sich eine Agentur zu suchen, da sie, wie du oben beschrieben hast, auch Connections haben. Allerdings kenne ich auch Autoren, die bei bekannten Augenturen zur Karteileiche wurden und sich durch eigene Kontakte selbst einen Vertrag bei einem Verlag erarbeitet haben. Zudem kommt es - soweit bin ich informiert, kann auch sein, dass ich da etwas falsch liege - oft dazu kommen, dass neu entdeckte Autoren erstmal Auftragsarbeiten für den Verlag schreiben müssen. Beispielsweise gibt der Lektor dann ein Thema vor und der Autor arbeitet etwas dazu aus.

    viele Grüße und danke für den interessanten Artikel!
    Emma

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    1. Huhu :)

      Ich weiß nicht wie Agenturen arbeiten, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es da auch Karteileichen gibt. Einen Versuch ist es ja wert, einfach mal an einen Verlag zu schicken. Nur da liegen die Manuskripte auch gerne mal ziemlich lange. Und es gibt ja auch Autoren, die es geschafft haben, von daher darf man da die Hoffnung wohl bloß nicht aufgeben :D

      Es wird tatsächlich vorher festgelegt, welche Ausgabe das Buch bekommt, weil es im Vertrag festgehalten wird. Bzw. da wird halt festgehalten welche Ausgaben gemacht werden dürfen. Was im Endeffekt rauskommt (also Hadcover, Taschenbuch...) kann dann noch umentschieden werden. Und bevor kein Vertrag da ist, gibts auch kein Manuskript für den Verlag :)

      Auftragsarbeiten kenne ich von da, wo ich meine Ausbildung gemacht habe nicht, aber in einigen Fällen ist das bestimmt sinnvoll.

      Liebe Grüße!

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  4. Danke für diesen sehr interessanten Einblick.
    Ich sehe das nur mit den Agenturen ein wenig Kritisch, einfach weil ich glaube das das unnötiges Geld ist. Auch wenn die ihre "kontakte" haben. Aber das ist überall so geworden, das man nur noch mit Mittelsmann irgendwo ran kommt. Sehr Schade. Auch macht es eine Stelle in Verlagen kaputt. Früher gab es Studenten die dort manuskripte lasen, bewerbungen gaben ob es sich lohnt oder nicht.

    Heute ist das nicht mehr so. Schade.

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    1. Hey :)

      Da wo ich war (Random House - nennen wir das Kind mal beim Namen) gibt es immer noch viele Studenten, die Manuskripte lesen, weil so extrem viele eingesendet werden. Auch die Azubis lesen und bewerten die Manuskripte. Das war auch eine meiner Hauptaufgaben im Lektorat während der Ausbildung. Deshalb seh ich Agenturen auch als was Gutes, weil ich gesehen habe, wie viele Leute einfach etwas einsenden, ohne sich über den Verlag zu informieren. Weil: Was soll z.B. ein Ratgeberverlag mit Gedichten? Und sowas kommt leider ziemlich häufig vor...

      Liebe Grüße!

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  5. Hallo!

    Und wieder ein interessanter Beitrag aus dem Verlagswesen. Das mit den Cover- und Titelrunden finde ich ja spannend. Stelle mir grad vor, wie alle um einen runden Tisch sitzen und wild durcheinander schreien. Freue mich auf den nächsten Beitrag, hier lernt man immer was dazu.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Huhu!

      Haha ja, so ungefähr lief das auch manchmal ab :D Vielleicht ein bisschen zivilisierter, aber an sich kommt dem das schon nahe...

      Liebe Grüße!

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  6. Hallo Emma,

    ein schöner Artikel und ein toller Einblick in deine Erfahrungen. Die Einsendungen sind leider in kleineren Verlagen auch teilweise unpassend. Man könnte meinen, manche "Autoren" schauen sich nicht mal das aktuelle Programm an, sondern meinen, ihre Geschichte ist soooo gut, das muss einfach genommen werden.
    Titeldiskussionen sind schön, da kamen manchmal die absurdesten Sachen bei rum ^^ (ich hab selber zwei Jahre meiner Ausbildung im Lektorat gearbeitet).
    Als Autor unterschätzen sicher auch viele, dass man im Verlagswesen ja quasi bis zu 2 Jahren im Voraus plant, und sozusagen immer im Voraus denkt - aber auch bezahlt! Die anfallenden Kosten fallen ja gleich zu Beginn an, und nicht kleckerweise, so wie der Gewinn wiederkommt...

    Auf deine weiteren Beiträge bin ich sehr gespannt.
    Liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Huhu :)

      Ja, das mit dem Vorausplanen bedenken (oder wissen) viele nicht. Ich hatte dann auch Einsendungen im November für Kalender für das nächste Jahr. Das geht zeitlich ja nun leider überhaupt nicht...

      Liebe Grüße

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